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Prothetische Zahnheilkunde / Herausnehmbarer Zahnersatz
 
Teilprothese
 
Wenn die Versorgung mit einem festsitzenden Zahnersatz (Kronen oder Brücken) nicht mehr möglich ist, wird ein herausnehmbarer Zahnersatz notwendig. Wie der festsitzende dient auch der herausnehmbare Zahnersatz der Wiederherstellung der Kaufunktion, der Sprachbildung, aber auch der Kosmetik. Gleichzeitig können dadurch Folgeschäden eines Zahnverlustes, wie das Kippen oder Wandern von Zähnen in Zahnlücken oder Überlastungen des Kiefergelenks und der Kaumuskulatur verhindert werden.
 
Herausnehmbarer Zahnersatz in Form von Teilprothesen oder Vollprothesen benötigt mehr Platz im Mund als ein festsitzender Zahnersatz. Patienten, die das erste mal einen herausnehmbaren Zahnersatz erhalten, brauchen vor allem deshalb eine Gewöhnungsphase. Anfangs können Druckstellen im Mund auftreten. Darauf sollte vor der Versorgung hingewiesen werden.
 
Eine herausnehmbare Teilprothese ist dann angezeigt, wenn nur einige Zähne im Mund fehlen und ein festsitzender Zahnersatz nicht mehr möglich ist.
 
Anwendungsgebiete und Gegenanzeigen
 
Die Entscheidung für einen herausnehmbaren Zahnersatz anstelle eines festsitzenden Zahnersatzes ist von verschiedenen Faktoren abhängig:
 
Mundhygiene
 
Eine gute Mundhygiene ist für jede Art von Zahnersatz Vorraussetzung dafür, dass dieser möglichst lange erhalten werden kann. Gerade bei herausnehmbarem Zahnersatz muss diesen "dritten Zähnen" besonderes Augenmerk gewidmet werden. Während festsitzender Zahnersatz grundsätzlich bei der Zahnreinigung genauso behandelt wird wie die natürlichen Zähne (also regelmäßige sorgfältige Reinigung aller Zahnflächen nach dem Essen), müssen an einem herausnehmbaren Ersatz nicht nur an den Außenflächen mögliche Beläge entfernt werden, sondern auch auf den Innenflächen, also den Anteilen des Zahnersatzes, die auf dem Zahnfleischkamm und dem Gaumen im Unter- oder Oberkiefer aufliegen. Dies ist wichtig, da sich Essenreste unter der Prothese festsetzen können. Werden diese Essenreste nicht entfernt, kann nicht nur die Prothese, sondern auch die Mundschleimhaut geschädigt werden. Neben der Tatsache, dass "versteckte" Essenreste unangenehmen Mundgeruch hervorrufen können, führen die Zersetzungsprozesse der Speisereste auch zu Entzündungen der Schleimhaut und Belägen auf der Prothesenoberfläche.
 
Anzahl und Verteilung der noch vorhandenen Zähne
 
Wenn die Anzahl der noch vorhandenen Zähne für die Befestigung eines festsitzenden Zahnersatzes nicht mehr ausreichend ist oder die Restzähne so ungünstig im Kiefer verteilt sind, dass sie durch eine festsitzende Brücke zu stark belastet würden, dann sollte die Entscheidung für einen herausnehmbaren Zahnersatz getroffen werden.
 
Zustand der vorhandenen Zähne und ihre Verankerung im Knochen
 
Sind die noch vorhandenen Zähne stark geschädigt oder durch einen fortgeschrittenen Knochenabbau nur noch gering im Kieferknochen verankert, ist die langfristige Erhaltung dieser Zähne fragwürdig. Geht dann ein solcher zur Verankerung für einen Zahnersatz genutzter Zahn verloren, besteht bei herausnehmbarem Zahnersatz im Gegensatz zu festsitzendem Zahnersatz die Möglichkeit, diesen Zahnersatz um den verloren gegangenen Zahn zu erweitern und/oder den Zahnersatz durch das einfügen eines neuen Befestigungselementes wieder funktionstüchtig zu machen. Eine vollständige Neuanfertigung ist bei herausnehmbarem Zahnersatz im Gegensatz zu festsitzendem Zahnersatz dann meist nicht notwendig.
 
Alter und Gewöhnungsbereitschaft des Patienten 
 
Vor allem jüngere Patienten haben oftmals Probleme, einen herausnehmbaren Zahnersatz zu akzeptieren. Für ältere Patienten kann ein herausnehmbarer Zahnersatz manchmal deshalb Schwierigkeiten bereiten, weil die Gewöhnungsfähigkeit und die zum Einsetzen und Herausnehmen des Ersatzes notwendige Fingerfertigkeit im Alter nachlassen können.
 
Berufliche und soziale Aspekte
 
Bestimmte Berufe, wie z. B. des Sängers oder des Blasmusikers, können Grund dafür sein, dass ein festsitzender Zahnersatz angefertigt werden muss. Ein herausnehmbarer Zahnersatz würde die muskuläre Funktion des Mundes beeinträchtigen und die Möglichkeit zur Berufsausübung einschränken. Eine mangelnde Mitarbeit oder Motivation des Patienten wiederum geben Veranlassung für eine möglichst einfach zu handhaben Versorgung mit Zahnersatz.
 
Finanzielle Aspekte
 
Die Entscheidung, welche Art von herausnehmbarem Zahnersatz gewählt wird, kann nicht zuletzt durch finanzielle Überlegungen beeinflusst sein. Einfache Versorgungen wie eine "Modellgussprothese" sind kostengünstiger als z. B. ein "teleskopverankerter Zahnersatz".
Der behandelnde Zahnarzt sollte alle diese Faktoren bei der Planung eines Zahnersatzes berücksichtigen und im Gespräch gemeinsam mit dem Patienten die Entscheidung für eine angemessene Versorgung treffen. 
 
Müssen mehr Zähne ersetzt werden, als noch vorhanden sind, so wird ein herausnehmbarer Zahnersatz notwendig. Gleiches gilt, wenn in absehbarer Zeit mit einem weiteren Verlust von Zähnen zu rechnen ist.
 
  
Totalprothese
 
Unter einer "Totalprothese" oder "Vollprothese" versteht man einen Zahnersatz, der zum Ersatz aller Zähne eines Kiefers dient. Eine Befestigung an eigenen Zähnen ist hier nicht mehr möglich. Totalprothesen liegen direkt auf der Mundschleimhaut auf. Es ist daher wichtig, dass diese Prothesen an die Schleimhaut sehr gut angepasst sind.
 
Bestandteile einer Totalprothese
 
Eine Vollprothese oder Totalprothese besteht genau wie eine Teilprothese aus verschiedenen Anteilen. Der Prothesenkörper (auch Prothesenbasis genannt) ist wie bei der Teilprothese aus einem rosafarbenen Kunststoff hergestellt. Er stellt den Anteil der Prothese dar, der in direktem Kontakt mit der Schleimhaut steht. Über die Prothesenbasis wird der beim Kauen entstehende Druck auf die Schleimhaut weitergeleitet. Um eine gleichmäßige Druck- und Kraftverteilung zu gewährleisten, muss die Prothese möglichst breitflächig und passgenau auf ihrer Unterfläche aufliegen. Dieser Forderung steht oft der Wunsch der Patienten gegenüber, eine möglichst kleine Prothese zu erhalten. Dieser Wunsch ist aus den genannten Gründen einer besseren Druckverteilung oftmals nicht realisierbar. 
 
Die Prothesenzähne können aus Kunststoff oder Keramik hergestellt sein. Die folgende Abbildung zeigt einen kompletten Satz solcher Prothesenzähne, wie sie für die Herstellung einer Totalprothese benötigt werden. 
 
 
Dabei zeigen Zähne aus keramischen Massen einen geringeren Abrieb, eine höhere Farbbeständigkeit und eine natürlichere Farbwirkung. Nachteilung ist bei Keramikzähnen, dass zwischen Prothesenkunststoff und Prothesenzähnen kein chemischer Verbund entstehen kann, so dass es zu kleinen spalten zwischen den zähnen und dem Kunststoff kommen kann. Hier können sich Keime und Farbstoffe (z. B. aus Tee oder Rotwein) einlagern. Keramische Prothesenzähne sind härter als Kunststoffzähne, daher ist das Zusammenbeißen der Zähne verstärkt hörbar ("Zähne klappern"). Der Vorteil von Kunststoffzähnen liegt somit umgekehrt darin, dass sie einen festen chemischen Verbund mit dem Prothesenkunststoff eingehen, die Spaltbildung unterbleibt und sie beim Zusammenbiss "leiser" sind. Nachteilig dagegen ist, dass Kunststoffzähne wesentlich schneller abgenutzt werden. Ihr jährlicher Abrieb liegt im Schnitt bei 0,2 mm. Dies kann nach jahrelanger Tragedauer einer Prothese dazu führen, dass sich die Lagebeziehungen des Oberkiefers zum Unterkiefer verändern. Folgen dieser veränderten Lagebeziehung ("Vertikale Kieferrelation") können Probleme im Kiefergelenk, der Kaumuskulatur sowie eingesunkene und eingerissene Mundwinkel sein. Kunststoffzähne sind zudem - ähnlich den Kunststoffverblendungen - anfälliger für Verfärbungen und Farbveränderungen. Die Vor- und Nachteile von Keramik- und Kunststoffzähnen werden unten nochmals dargestellt. Die folgende Abbildung zeigt eine Oberkiefer-Totalprothese während ihrer Herstellung im zahntechnischen Labor.
 
  
Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Prothese ist der Prothesenrand. Er verbessert den Halt der Prothese.
 
Keramikzähne
 
VORTEILE:  
  • geringerer Abrieb 
  • Farbbeständigkeit 
  • Natürliches Aussehen 
NACHTEILE: 
  • Spaltbildung zwischen Zähnen und Kunststoff
  • Hörbarer Zusammenbiss ("Klappern")
 
Kunststoffzähne
 
VORTEILE:  
  • chemischer Verbund zwischen Zähnen und Kunststoff
  • kaum hörbarer Zusammenbiss 
NACHTEILE:
  • geringere Farbbeständigkeit, Verfärbbarkeit
  • höherer Abrieb (bis 0,2 mm / Jahr)
  
Halt einer Totalprothese
 
Im Oberkiefer wird der Halt der Prothese über einen Unterdruck hergestellt, der entsteht, wenn der Speichel zwischen Prothese und Mundschleimhaut beim Einsetzen der Prothese herausgepresst wird. Damit dieser Druck entstehen und aufrechterhalten werden kann, muss der Prothesenrand entsprechend ausgedehnt sein und den Rückfluss von Speichel verhindern.
 
Im Unterkiefer ist die Erzeugung eines solchen "Unterdruckes" nicht möglich. Die Lagestabilisierung der Unterkiefertotalprothese erfolgt weniger durch Saughaftung, als vielmehr durch Muskelkraft. Die Prothese "schwimmt" gewissermaßen, nur von der Muskulatur gehalten, auf der von einem Speichelfilm bedeckten Schleimhaut des Unterkiefers und wird erst durch das Zubeißen auf Ihre Unterfläche angedrückt. Deshalb ist vor allem bei Unterkieferprothesen eine Gewöhnungsphase der Muskulatur (v. a. Wangen- und Zungenmuskulatur) an eine neue Prothese erforderlich.
 
Die Prothese hält also am besten, wenn die Unterseite der Prothese möglichst genau an die Mundschleimhaut und den Knochen angepasst ist. Umbauvorgänge des Kieferknochens und der darüber liegenden Schleimhaut führen im Laufe der Zeit dazu, dass die Prothese an Passgenauigkeit verliert und einen schlechteren Halt bekommt. In vielen Fällen kann sich der Patient aber an den schlechteren Halt gewöhnen. Grundsätzlich ist es jedoch immer sinnvoll, durch eine sog. Unterfütterung der Prothesen die Passgenauigkeit wieder exakt herzustellen. Die Prothese soll möglichst gleichmäßig auf Schleimhaut und Knochen aufliegen, um lokale Überlastungen durch einseitige Druckverteilung zu vermeiden. Diese Überlastungen können an den Überlastungsstellen zu einem erhöhten Abbau des Knochens und somit zu einem schnell fortschreitenden Verlust des Prothesenhaltes führen. Aus diesem Grund ist es nicht sinnvoll, eine schlecht passende Prothese mit Haftpulver oder Haftsalbe festzukleben. Bei schlechtem Prothesenhalt sollte immer eine Neuanpassung der Prothese erfolgen.
 
Es gibt immer wieder Situationen, bei denen bereits bei der Planung einer Vollprothese feststeht, dass auch bei bestmöglicher Anfertigung der Prothese kein ausreichender Prothesenhalt zu erreichen sein wird. Hier ist häufig der Abbau des Kieferknochens so weit fortgeschritten, dass die Prothesen keinen zufrieden stellenden Halt mehr finden können. In solchen Fällen ist es heute möglich, den Knochen und die Schleimhaut wieder so aufzubauen, dass die Prothese letztendlich doch einen besseren Halt findet. Dazu sind allerdings operative Eingriffe nötig, bei denen entweder eigener Knochen des Patienten an die notwendige Stelle verpflanzt oder künstliches Knochenersatzmaterial an der entsprechenden Stelle eingefügt wird.
 
Der Knochen unterliegt nicht nur bei zu hoher, sondern auch bei zu geringer Belastung einem erhöhten Abbau, d.h. auch wenn Patienten längere Zeit überhaupt keine Prothesen tragen, ist mit einem schlechteren Halt der Prothese kommen. 
 
Wenn die Voraussetzung für einen guten Halt der Prothese schlecht sind, ist es möglich, mittels Implantaten auch einen herausnehmbaren Zahnersatz im Mund zu fixieren.